Es geht langsam los

  • Das Problem ist gerade bei uns, dass die Meinungen da heutzutage auseinandergehen dürften. Ich persönlich glaube, bereits in der besten aller möglichen Welten angekommen zu sein - aus einer rein egoistischen Perspektive natürlich. Einem Großteil der Bevölkerung dürfte es sowohl in Großbritannien, als auch in Deutschland zumindest so gut gehen, dass sie entweder kein Problem sehen oder sie sich nicht verschlechtern wollen. Jede Veränderung birgt auch immer ein Risiko und niemand garantiert, dass es einem als Einzelperson in einem vermeintlich besseren System auch tatsächlich besser oder gar nur so gut wie zuvor geht.


    Wer soll da noch handeln? In Deutschland werden selbst diejenigen, die nichts haben und/oder nichts können, vom Staat aufgefangen, sofern sie denn nicht zu stolz sind, Hilfe anzunehmen und sich an bestimmte Regeln zu halten. Mag sein, dass sich in den Großstädten Großbritanniens jetzt eine Minderheit gefunden hat, der es so schlecht geht, dass sie eine Veränderung für zwingend nötig hält, das stellt sie aber nicht sehr geschickt an und zur Zeit sind die politischen Absichten in Frage zu stellen. Der Begriff "Shopping Riot" fiel hier ja bereits. Und auch in den Nachrichten merkte man an, dass die Demonstranten "keine Plakate und keine Forderungen" haben, was es komplett unmöglich macht, sie und ihre eventuell vorhandenen Probleme ernst zu nehmen oder sie gar zu unterstützen und an einer Veränderung mitzuwirken.


    kann dir da nur zustimmen. Ich glaube auch, dass es in England nicht so unbedingt um Forderungen geht, wahrscheinlich ist es einfach nur die Macht, die sie auf einmal haben in der Masse. Wie bei einem Mob, man lässt sich mitreißen.


    Es ist auf jeden Fall total erschreckend, was da in England abgeht...

  • Das Problem vor das du gestellt wirst ist nicht lösbar.


    Also, ernsthaft: man stand in der Menschheitsgeschichte wohl schon vor größeren Problemen. Richtig wäre deine Aussage, würdest du sagen: "Wenn wir unseren derzeitigen Lebensstandard beibehalten wollen, ist dieses Problem nicht lösbar". Das mag schon sein; nur sollte auch Europa irgendwann verstehen, dass es ein geographisch winziger Bestandteil dieser Erde ist und es auf Dauer tatsächlich nicht tragbar ist, auf Kosten der Mehrheit einem derartigen Überfluss zu fröhnen. Zumindest finanziell sind die heutigen Probleme lösbar - schau dir doch an wieviel Vermögen derzeit täglich an den Börsen vernichtet wird. Nach aktuellen Schätzungen spricht man davon, dass etwa 1,6 mrd. Euro nötig werden um die Krise in Somalia halbwegs in den Griff zu bekommen. 1,6 mrd! Das sind Peanuts. Die Zustände sind nicht so, weil sie nicht anders sein können, sondern weil man sie nicht anders haben will.


    Der Soziologe Jean Ziegler hat's ganz passend gesagt: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."


    Und wenn also der Grossteil daran glaubt und somit wohl auch glücklich ist - wieso sollte man es ändern? Weil es ein paar wenigen nicht passt?


    Wenn man global denkt und etwa weite Teile Afrikas miteinschließt, dann passt der status quo der Mehrheit nicht. Der Status Quo passt genau jenen, die von ihm profitieren - nur ist das keine Mehrheit, es ist eine absolute Minderheit. Dass als Missstände zu bezeichnen; ufz, also wenn ganze Regionen seit Jahrzehnten unter - stark von uns geförderter - Armut leben, dann ist das schon etwas mehr als ein Missstand. Hohe Steuern, wegen denen man nicht jedes Jahr ins Ausland fliegen kann, sind ein Missstand, aber nicht, wenn weite Teile der Weltbevölkerung an Hungersnot leiden. Das ist kein Missstand, sondern ein Verbrechen.



    Der derzeitige Trend, in GB wie auch in Deutschland, liegt darin, dass sich das Vermögen in den oberen 20% noch weiter akkumuliert und die Mehrheit der Bevölkerung immer weniger hat. Dies ist kein Missstand; das ist, mal biologisch ausgedrückt, ein parasitäres Verhalten: eine Minderheit lebt und vermehrt ihren Reichtum auf Kosten der weiten Mehrheit und das auch noch auf legalen Wege.

  • Nur weil es Missstände gibt, muss man also das ganze System kippen?


    Ja. Das sagt sich immer so leicht, wenn man halbwegs oben sitzt und von den Missständen (Wobei Akis Begriff da besser passt) nicht so wirklich betroffen ist.


    "Was juckts mich, nich mein Problem, alles nich so wild, also bitte keine Veränderung".


    Es ist dann immer wieder erstaunlich, wie schnell Menschen ihre Meinung ändern, wenn ihnen dann selber irgendwann der Arsch auf Grundeis geht.


  • Wieder ein Paranoia-Patient. Ausserdem kann ich jemanden mit deinem Avatar einfach nicht ernst nehmen.


    Und an all die Nörgler: Dann stellt mir ein halbwegs vernünftiges und funktionierendes System vor.


  • Der derzeitige Trend, in GB wie auch in Deutschland, liegt darin, dass sich das Vermögen in den oberen 20% noch weiter akkumuliert und die Mehrheit der Bevölkerung immer weniger hat.


    Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass dies der Fall ist...owait...hat sich eigentlich mal wer die Frage gestellt, was für einen Wert Milliarden <insert beliebige Währung> hat, wenn das sowieos keinen wirklichen realen Gegenwert besitzt?


    In früheren Zeiten konnte ichs ja noch einigermaßen nachvollziehen, wenn der Hofadel Zugang zu ausreichend Nahrung, Kleidung, Obdach und ab und an auch mal Hygiene (sowie sonstigen Luxus) hatte und dies einen großen Vorteil gegenüber dem Lebensstandard des Pöbels darstellte.


    Aber heute? Goldene Wasserhähne? Luxusyachten? 1029312 Karren in der Garage?




    Dies ist kein Missstand; das ist, mal biologisch ausgedrückt, ein parasitäres Verhalten: eine Minderheit lebt und vermehrt ihren Reichtum auf Kosten der weiten Mehrheit und das auch noch auf legalen Wege.


    Ich sehe erhlich gesagt immernoch keinen Beleg, dass das für viele Menschen tatsächlich ein Problem darstellt, worüber ein (stillschweigender) Konsens herrsche, dass hier Änderung von Nöten ist. Eine Verschiebung der Machtverhältnisse führt lediglich zum Wechsel der Akteure, aber nicht zum Wechsel des Systems.


    Ob "die Menschheit™" bereits vor größeren Problemen stand, sei mal dahin gestellt. Auch hierfür sehe ich keinen Beleg. In der Vergangenheit gab es niemals globale Lösungen und vieles konnte kleinstaatlich geregelt werden.
    In den Arsch gekniffen waren dort aber auch immer welche, egal ob auf globaler oder lokaler Ebene.


    Unterschied zu heute? Marginal.

  • Ich sehe erhlich gesagt immernoch keinen Beleg, dass das für viele Menschen tatsächlich ein Problem darstellt, worüber ein (stillschweigender) Konsens herrsche, dass hier Änderung von Nöten ist.


    Ich verstehe den Einwand nicht. Dass 76% der Weltbevölkerung in Entwicklungsländern leben wird für diese Menschen konkret ein Problem sein; immerhin leiden sie ja unter den desolaten Lebensbedingungen. Insofern ist auch eine Änderung von Nöten, da sich gemäß dem status quo an ihren Lebensverhältnissen sonst nichts ändern wird. Dass 76% der Weltbevölkerung in Drittewelt-Länder leben oder etwa 17% der Weltbevölkerung Hunger leiden - ich sehe nicht inwiefern es nochweitere Gründe oder Belege bedarf, um den status quo gehörig in Frage zu stellen: ich muss doch nicht erst warten bis diese Menschen um Hilfe bitten, um zu erkennen, dass Hilfe nötig ist.


    Und an all die Nörgler: Dann stellt mir ein halbwegs vernünftiges und funktionierendes System vor.


    Weshalb System? Ein paar Spielregeln, welche auch eingehalten werden, dass wäre doch schonmal ein Anfang. Eine Abschaffung des Zinseszins, ein Verbot der Spekulation aus Lebensmittel, ein Verbot des Leerfischens der somalischer Gewässer durch europäische Schifffahrtsflotten, eine Beteiligung der Verursacher der Wirtschaftskrise an der Tilgung der durch sie entschandenen Schäden, eine stärkere finanzielle Unterstützung der Drittewelt-Länder, ein Importverbot von Gütern welche unter Verhältnissen produziert wurden welche im Importland selber verboten sind (etwa Rosen aus diversen afrikanischen Ländern), eine Finanztransaktionsteuer auf internationale Devisengeschäfte, und last but not least fände ich eine gemeinsam verfasste Entschuldigung der europäischen ex-Kolonialmächte an die durch sie geschudenen afrikanischen Staaten einfach nur "nett"!
    :)



    So beim ersten Brainstorm fallen mir ein paar Dinge ein, die nun nicht wirklich von mir kommen - okay, das letzte schon. Der Rest wurde schon lange in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart gefordert. Es geht nicht darum irgendein System abzuschaffen und durch ein Neues zu ersetzen sondern durch Reformen und ein klares Ziel nach und nach wieder Spielregeln und Ordnung in den Weltwirtschaftsmarkt zu bringen. Vom derzeitigen Neoliberalismus profitieren genau jene, welche eine hohe Position in ihm innehaben, die Mehrheit leidet unter den derzeitigen Eskapaden - man kann keinem Kind erklären warum H4-Empfänger für die Schulden der Wirtschatfskrise aufkommen soll, welche doch in keinsterweise dafür verantwortlich sind und dadurch womöglich gar erst in die Arbeitslosigkeit geraten sind!



    Interessanter Vortrag zum Thema Wirtschaftsmarkt und Moral: Richard D. Precht auf FDP-Kongress

  • Ich verstehe den Einwand nicht. Dass 76% der Weltbevölkerung in Entwicklungsländern leben wird für diese Menschen konkret ein Problem sein; immerhin leiden sie ja unter den desolaten Lebensbedingungen. Insofern ist auch eine Änderung von Nöten, da sich gemäß dem status quo an ihren Lebensverhältnissen sonst nichts ändern wird. Dass 76% der Weltbevölkerung in Drittewelt-Länder leben oder etwa 17% der Weltbevölkerung Hunger leiden - ich sehe nicht inwiefern es nochweitere Gründe oder Belege bedarf, um den status quo gehörig in Frage zu stellen: ich muss doch nicht erst warten bis diese Menschen um Hilfe bitten, um zu erkennen, dass Hilfe nötig ist.


    Es geht doch aber nicht darum, ob jene Menschen unzufrieden sind mit ihrem Lebensstandard (gemäß der Annahme so viele wären es tatsächlich) sondern darum, ob diese Menschen die Zustände tatsächlich als falsch erachten und nicht im umgekehrten Falle genauso agieren würden.
    Ist ja nicht so als wäre "DAS SYSTEM" irgendein Überwesen, das uns etwas aufzwingt sondern "DAS SYSTEM" wird von den Menschen gemacht und auch von Menschen auf Recht erhalten.
    Wie garantierst du mir (angenommen du wolltest mich überzeugen), dass jene Menschen, denen heute geholfen wird nicht morgen selbst die ausbeutenden Arschlöcher sind?
    Welches Regulativ sieht vor, dass dies nicht passiert?



    Ja, is Volkssport hier.
    Nichts besonderes.

  • Es geht doch aber nicht darum, ob jene Menschen unzufrieden sind mit ihrem Lebensstandard (gemäß der Annahme so viele wären es tatsächlich) sondern darum, ob diese Menschen die Zustände tatsächlich als falsch erachten und nicht im umgekehrten Falle genauso agieren würden.


    Weil ich prinzipiell davon ausgehe, dass die Menschen in der Dritten Welt gerne eine höhere Lebensqualität hätten und weil ich davon ausgehe, dass kein Mensch gerne Hunger leidet oder gerne daran stirbt. Ist nicht sarkastisch gemeint; aber ich weiß nicht ob es tatsächlich Belege bedarf, dass Menschen welche in der Dritten Welt leben gerne bessere Lebensverhältnisse genießen würden. Ich unterstelle es ihnen einfach mal, ganz dreist.


    Bezüglich den Zahlen habe ich mich auf folgendes bezogen.


    "76% der Weltbevölkerung haben aber lediglich einen Anteil von nur 17% am Weltsozialprodukt."
    wirtschaftslexikion24.net


    "Im Jahr 1970 stellten die Entwicklungsländer 65 Prozent der Weltbevölkerung, zur Jahrtausendwende schon 80 Prozent."
    berlin-institut.org


    Die Zahlen variieren, aber das der Großteil der Weltbevölkerung in Drittewelt-Ländern wohnt ist wohl unstrittig. Ob die Menschen in unserer Situation genauso agieren würden - ich halte diese Frage für irrelevant. Diese hypothetische Überlegung, wenn sie könnten würden sie uns ja genauso ausbeuten, lässt sich a) nicht belegen, da die Verhältnisse nunmal nicht so sind und b) legitimiert uns diese bloße Überlegung ja nicht dazu irgendjemanden präventiv auszubeuten mit der Begründung: sie könnten es ja auch tun!


    Der Philosoph John Rawls formulierte einen Gedanken den ich in der Hinsicht für sehr passend halte. Ein gerechtes System wäre jenes, dem ein Mensch zustimmen würde ohne zu wissen welche Position er inne hat. Eine gerechte Wirtschaftsordnung, so würde ich's dann übertragen, wäre jene der man zustimmt ohne zu wissen ob man ein Unternehmer aus Deutschland oder Simbabwe ist.


    Dem derzeitigen Neoliberalismus stimmen jene zu die von ihm profitieren, d.h. eine Minderheit, und er findet Ablehnung bei jenen welche unter ihm leiden, d.h. einer Mehrheit. Du hast nun natürlich schon Recht; ob es nun deutsche oder indonesische Arschlöcher sind welche vom status quo profitieren ist ja völlig egal und ein afrikanischer Ausbeuter etwa ist mir nicht lieber als ein europäischer. Anstatt also aus Angst vor den anderen unsere Arschloch-Position zu behalten wäre es doch vernünftiger durch Verbindlichkeiten und Gesetze eine geregelte Wirtschaftsordnung auf den Weg zu bringen in denen für Arschlöcher - egal aus welcher Region! - kein Platz ist.


    Anders gesagt bin ich dafür den hohen Stuhl, auf dem wir derzeit sitzen, abzusägen damit weder wir noch irgendwer anderes sich wieder auf ihn setzen kann. Wobei ich, wie gesagt, diese Grundüberlegung - wir könnten das Opfer von Ausbeutung werden - für sehr irrelevant halte; der afrikanische Kontinent etwa leidet seit Jahrhunderten unter europäischer Kolonialherrschaft und derzeit unter der europäischen Wirtschaftsdominanz. Dass sich die Verhältnisse in absehbarer Zeit genau verkehren ist, nun, illusorisch - fairerweise würde ich aber wie gesagt eben sagen: eine faire Wirtschaftsordnung kann man daran erkennen, dass man sie für fair hält, unabhängig davon ob man am unteren oder oberen Ende der Leiter steht.



    Spielregeln sollten eben für Jedermann gelten und keine Einzelgruppierungen gesondert bevorzugen. Anstatt Angst davor zu haben, dass andere genau dasselbe tun was wir derzeitig machen, sollten wir uns selber das Handwerk legen und ein derartig assoziales Wirtschaften möglichst verhindern. Es geht nicht um irgendwelchen "System"-Quatsch (das klingt wie linke Rhetorik auf irgendwelchen Demos) sondern darum durch Gesetze und internationale Regelungen der Wirtschaft wieder eine Ordnung aufzuzwingen, welche in den vergangenen Jahren vermehrt abgebaut wurde.

  • Mehr als 20 Prozent der jungen Europäer ohne Job


    Trotzdem weiß ich nicht, ob das derzeitige Kettengerassel dann schon als Anzeichen von was auch immer zu interpretieren ist.
    Bei uns isses noch vergleichsweise gut:


    Quote

    Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland vergleichsweise gering
    Mehr als 20 Prozent der jungen Europäer ohne Job


    Deutschland hat die drittniedrigste Jugendarbeitslosigkeit aller 27 EU-Staaten. Im Juni waren 9,1 Prozent oder 430.000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job, teilte das Statistische Bundesamt mit. Nur in den Niederlanden (7,1 Prozent) und Österreich (8,2 Prozent) lag die Erwerbslosigkeit unter Jugendlichen niedriger, der EU-Schnitt betrug 20,5 Prozent.


    Schlusslicht ist mit Abstand Spanien. Dort ist mit 45,7 Prozent fast jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit. Wegen der Lage auf dem Arbeitsmarkt und mangelnder Perspektiven hatten junge Menschen vor einigen Wochen eine Welle von Protesten gestartet. In Griechenland lag die Quote im März bei 38,5 Prozent.


    Einschränkend dazu wäre die im Artikel ebenfalls vermerkte Fixierung auf Zeitarbeit und sonstige "minderwertige" Beschäftigungsverhältnisse zu vermerken.

    "Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur." Oscar Wilde


    "Millionen Menschen sehnen sich nach Unsterblichkeit - und wissen an einem verregneten Sonntag Nachmittag doch nichts mit sich anzufangen." Susan Erks


    Trollchen auf youtube und trollchen.com

  • Weshalb System? Ein paar Spielregeln, welche auch eingehalten werden, dass wäre doch schonmal ein Anfang. Eine Abschaffung des Zinseszins


    Einverstanden.


    ein Verbot der Spekulation aus Lebensmittel


    Einverstanden.


    ein Verbot des Leerfischens der somalischer Gewässer durch europäische Schifffahrtsflotten


    Einverstanden.


    eine Beteiligung der Verursacher der Wirtschaftskrise an der Tilgung der durch sie entschandenen Schäden


    Einverstanden (fällt allerdings bei mir unter Kategorie: unmöglich zu realisieren, weil zu komplex).


    eine stärkere finanzielle Unterstützung der Drittewelt-Länder


    Nicht einverstanden. Einfach nur rein finanzielle Hilfe bringt nichts. Gibts zig Bsp., wo das nicht funktioniert hat.
    etc.pp.


    Wie du siehst wirst du mit diesen Fragen in der breiten Masse einfach kaum je einen Konsens finden. Und solange du keinen breit abgefächerten Konsens in der Gesellschaft findest, gibts immer eine Blockade. Was uns dann auch wieder zu der von Zeitgeist erwähnten "Resignation" führt. :wink:


    €: Vorallem grade wenns dann um Fragen geht wos ans "Eingemachte" für jeden Einzelnen geht, weil letztlich regiert halt der homo oeconomicus.

    "Life is not an easy matter... You cannot live through it without falling into frustration and cynicism unless you have before you a great idea which raises you above personal misery, above weakness, above all kinds of perfidy and baseness." - Leo Trotzki

  • @ Aki


    Du weichst meiner Frage aus.
    Welches Regulativ soll dafür sorgen, dass, gemäß dem Falle es gäbe tatsächlich eine Wirtschaftsordnung die von allen Menschen gleichermaßen unabhängig ihrer Position als "fair" bezeichnet wird (stark zweifelhaft imo), diese Wirtschaftsordnung auch beibehalten wird und nicht bei der kleinsten Schwankung im Machtgefüge wieder in eine Richtung kippt, wie wir sie derzeit vorfinden?

  • @ Aki


    Du weichst meiner Frage aus.


    War nicht meine Absicht, dann hatte ich sie falsch verstanden.


    Wenn die Frage ist, was garantiert absolute Sicherheit, dass diese Ordnung sich nicht auch verändert und abgeschafft wird. Nun, the times they're changing, nicht. Es gibt keine absolute Garantie, darum würde ich auch gar nicht behaupten, dass es sie gäbe. Zu dem Zeitpunkt wo man sich für einen regulierten Wirtschaftsmarkt entscheidet sind die Mehrheit der Beteiligten von dieser Idee überzeugt - das mag in 100 Jahren natürlich wieder anders aussehen.


    Die Aufgabe liegt wohl nicht darin ein System für die Ewigkeit zu entwickeln sondern ein System zu entwickeln, welches für die derzeitige Situation wirtschaftlich und moralisch vertratbar ist für die Bevölkerun der Erde, und nicht nur für die Minderheit in den Erstewelt-Ländern. Sollten Menschen in 100 Jahren versuchen dies zu ändern, so ist's die Aufgabe der Sozialdemokraten in 100 Jahren dies zu verhindern, nicht die Aufgabe heute. Ansonsten, ufz; man kann politisch ja so allerlei Mechanismen einbauen welche eine Änderung erschweren, etwa eine 2/3 als Voraussetzung angeben oder derlei. Aber das wird mir dann ehrlich gesagt zu theoretisch. Die Möglichkeit, dass es in entfernter Zukunft - oder auch nährer Zukunft - wieder zum status quo zurückgeht kann ja nun kein Argument sein, dann gleich beim status quo zu bleiben. Es kann so kommen, oder eben auch nicht. Ich meine, vielleicht steigt Deutschland in 150 Jahren wieder in die Atomkraft ein, verbietet den Frauen zu arbeiten und derlei - who knows? Aber all' diese möglichen Zukunftsszenarien sind nun keine Argumenten gegen Entscheidungen im Hier und Jetzt. Die Abolitionsbewegung wird sich wohl auch nicht gesagt haben, "Ja, aber was wenn es in 200 Jahren wieder Sklaverei gibt? Da können wir's doch gleich ganz sein lassen."
    ;)


    Nun, eine Wirtschaftsordnung wo jeder fair zu sagt ist natürlich auch nur Theorie. Otto von Bismarck sagt's ganz gut: "Politik ist die Kunst des Möglichen", und anstatt also von Systemen und Utopien zu sprechen würde ich lieber von Reformen und Veränderungen sprechen. Vielleicht bekommt man am Ende nicht die fairste Wirtschaftsordnung aber doch eine die weit aus fairer als die heutige, in der eben Einzelinteressen nicht zu lasten der Mehrheitsinteressen regieren. Mittels internationalen Abkommen und nationalen Gesetzen ist durchaus viel möglich.


  • Die Aufgabe liegt wohl nicht darin ein System für die Ewigkeit zu entwickeln sondern ein System zu entwickeln, welches für die derzeitige Situation wirtschaftlich und moralisch vertratbar ist für die Bevölkerun der Erde, und nicht nur für die Minderheit in den Erstewelt-Ländern.


    Damit verschiebst du nur die Problematik hin zur Frage, was "wirtschaftlich und moralisch vertretbar" ist. Da hier kein Konsens zu erwarten ist, steht man hier vor genau dem gleichen Problem.


    Am Ende ist die Frage immer die gleiche: Was soll mich als Menschen in einer Machtposition davon abhalten, diese Macht zu benutzen?


  • Am Ende ist die Frage immer die gleiche: Was soll mich als Menschen in einer Machtposition davon abhalten, diese Macht zu benutzen?


    Grundsätzlich ist Macht nichts negatives, nur wenn sie falsch eingesetzt wird und in dem Fall müssen diejenigen, die die Macht legitimiert haben, diese wieder entziehen, wäre in meiner Vorstellung die mehrheitliche Gemeinschaft.
    Den Grundstein, was richtig und was falsch ist muss diese natürlich auch legen, was aber immer schwieriger erscheint durch die zunehmende Fixierung auf rein wirtschafliches Denken.


    Die Krawalle in London, halte ich allerdings nicht für die Vorboten, dann doch eher die Demonstrationen in Spanien, mit soetwas kann man sympathisieren, mit den Krawallern in London, nicht.

    Ing Gw2: Amok


    Für ein höheres Marketing Budget bei Anet, unterschreibe noch heute unsere Petition!!!

  • Grundsätzlich ist Macht nichts negatives, nur wenn sie falsch eingesetzt wird und in dem Fall müssen diejenigen, die die Macht legitimiert haben, diese wieder entziehen, wäre in meiner Vorstellung die mehrheitliche Gemeinschaft.


    Das heißt jemand oder etwas mit mehr Macht sollte mich in dem Falle korrigieren.
    Was hindert nun diesen jemand oder dieses etwas widerrum seine Macht zu missbrauchen?




    Den Grundstein, was richtig und was falsch ist muss diese natürlich auch legen, was aber immer schwieriger erscheint durch die zunehmende Fixierung auf rein wirtschafliches Denken.


    Welche Kriterien mit welcher Begründung würden dir da so vorschweben?
    Wäre diese Begründung in jedem Fall rational?

  • Im Endeffekt einfach ein schöner Aufsatz Susi, auch wenn ich nicht bei jedem Punkt mitgehe, kann ich das meißte genau so unterstreichen.

    Luthi Ewandiel © Squirrel Unit [nut]

    Ein vertrauter Geruch lag in der Meeresbrise, wie
    von Feuern, die in der Ferne brennen, mit einem
    Hauch von Zimt darin. So riecht, wie gelegentlich
    schon erwähnt, das Abenteuer.


    Das ist Liebe, verstehste? Wahre Liebe ist das, Mann.
    18 wird man eigentlich jeden Tag, aber GvG Quest ist nicht immer. Morgen ist Kodexarena, da können wir feiern. ~Pony

  • Das heißt jemand oder etwas mit mehr Macht sollte mich in dem Falle korrigieren.
    Was hindert nun diesen jemand oder dieses etwas widerrum seine Macht zu missbrauchen?


    Nicht jemand oder etwas, sondern der Wähler, Bürger nenn es wie du willst.



    Welche Kriterien mit welcher Begründung würden dir da so vorschweben?
    Wäre diese Begründung in jedem Fall rational?


    Immer unter der Prämisse, das es dem Gemeinwohl dient.
    Ob das immer zu 100% rational ist, bezweifle ich, da der Mensch nur begrenzt rational handelt.
    Von daher müsste ich sich sagen nein, nicht immer rational.
    Allerdings setzte ich "Rationalität auch nicht mit "Richtig" gleich.

    Ing Gw2: Amok


    Für ein höheres Marketing Budget bei Anet, unterschreibe noch heute unsere Petition!!!


  • Und an all die Nörgler: Dann stellt mir ein halbwegs vernünftiges und funktionierendes System vor.


    Kennst du die Laberecke im Forum WT?
    Ja?
    Diverse Threads dort sind vollgestopft mit zahlreichen und praktikablen Alternativen, die u.a. an den systemischen Schlüsselmechanismen ansetzen, die eben genau sowas wie in London verursachen.


    Man wie ich diese Ignoranz und Selbstherrlichkeit, auf argumentativer Ebene, verabscheue, du verlangst dass man ein vorformuliertes komplexes Wirtschaft-, Gesllschafts- und Geldsystem in der Tasche hat, sobald man über solche Themen diskutiert oder gar 'systemkritisch' mit Fakten aufwartet.
    Ich sag dir was: noch niemals in der bekannten Menschheitsgeschichte hatte jemand sowas allumfassendes auf Lager. Solche Systeme sind immer das Ergebnis einer Entwicklung und zahlreicher Prozesse.


    Erkenntnisresistenz scheint nicht nur ein deutsches Phänomen zu sein...

    der alfredo



    Artikel 22a der Berliner Landesverfassung:
    "Wer aus einer Sektlaune heraus oder wegen einer verlorenen Wette das Brandenburger Tor in die Luft sprengt, geht dann straffrei aus, wenn er die Sehenswürdigkeit originalgetreu wieder aufbaut sowie der Stadt den durch die entgangene Nutzung entstandenen Schaden ersetzt."