Politikthread

  • Selbst wenn du neu wählen lässt, das wird immer ~50:50 bleiben. Es ist ja nicht so, dass die Regierung jetzt plötzlich komplett gegen den Willen ihres Volkes handelt.


    Das bezweifle ich doch mal sehr stark - Schwankungen sind völlig normal,
    jeden Tag sterben Leute und erlangen andere das Wahlrecht. Meinungen ändern sich ebenso beständig wieder mal. Und das Ganze wurde massiv von populistisch geführtem Wahlkampf dominiert, Umfragen nach haben ja viele (wie viele?) da ohne Hinterfragen dem Dampfgeschwätz geglaubt (bzw waren einfach überfordert, die Presse hat da ja eindrucksvoll bewiesen, wie sie sich als vierte Staatsgewalt einmischen kann).
    Erinnerte mich auch bisserl an die "Wo kann man hier gegen die Ausländer wählen" Kampagne von Koch in Hessen damals.
    Das haben echt ältere Menschen bei uns im Dorf gefragt, als sie da den Stand mit den Flyerverteilern gesucht haben.


    Der Brexit droht alles noch schlimmer zu machen


    Widerlegt wurde vieles ja bereits im Vorfeld schon - die 350 Millionen beispielsweise.
    Aber für Fakten war man weit weniger empfänglich als für Stimmungen.
    Brexit-Wahlkampf: Die 350-Millionen-Lüge


    (Norwegen zahlt wohl kaum weniger - ohne Mitspracherechte - Artikel zum "Schweizer Model").
    Bloß bedient mal selber Suchmaschinen, da taucht auch dermaßen viel Mist auf, den man erst mal als Solchen erkennen muß. Und wenn die dann wie die Zeugen Jehovas vor der Tür stehen...
    Fazit sollte wirklich sein: Mehr Geld für Bildung.
    Und wählen gehen, "die anderen" tun es auch. Wobei dank Alterspyramide der Einfluß der Jüngeren schon wegen der zahlenmässigen Minderheit geringer ausfallen dürfte als derjenige der Alten (kommt halt drauf an, wie man jung und alt definiert). Selbst wenn die gewählt hätten. Demographie und so. Da ist so einiges oberhalb der 50 - aber die ganzen Prognosen und Leseversuche sind ohnehin fragwürdig. Und weder sind Alte dumm, noch Junge klug - jedenfalls nicht ob ihres Alters und durch die Bank ;)


    Die Versprechen wurden aber schon am Tag nach der Wahl gerade gerückt "Ups, naja - ganz so geht das nicht".
    Das würde sich bei einer erneuten Abstimmung vermutlich dann doch rächen.


    Gerade sowas knappes kann aber ja immer wieder nach Tagesform anders ausgehen. Und viele haben ja scheinbar den verkündeten Blödsinn geglaubt, der von den Befürwortern verbreitet wurde - obwohl das alles längst widerlegt war.


    Es war aber von vorneherein völlig blödsinnig, da nicht eine 2/3 Mehrheit als Notwendigkeit fest zu setzen bei der Tragweite, so wie das ausgegangen ist, wird das ständig hin und her schwanken. Die innere Unruhe bekommen die nicht mehr befriedet so schnell - was da derzeit alles abgeht, ist nicht mehr feierlich.


    [url=http://www.fr-online.de/brexit/brexit-un-fordern-massnahmen-gegen-hetze-,34340058,34432438.html]Brexit: UN fordern Maßnahmen gegen Hetze[/url]


    ‘A frenzy of hatred’: how to understand Brexit racism


    Hate crimes soar by 400 PER CENT since Brexit


    Nach dem Brexit-Votum nehmen die rassistischen Übergriffe auf Ausländer zu


    Eigentlich ist ja bislang nicht viel mehr passiert als eine (bindende?) Volksbefragung, solange da niemand aus UK die Scheidungspapiere bei der EU einreicht, kann man die auch nicht raus werfen.
    Derzeit sehe ich da niemanden, der sich das trauen würde. Aber auch keinen, der sich zu sagen traut "Das Referendum setzen wir nicht um".


    Und das ist eigentlich der Worst Case für UK,
    Investoren wollen Sicherheiten. VISA muß angeblich ja den Sitz in einem EU Land haben (Vorschriften, macht für mich auch Sinn), andere wie die Europäische Bankenaufsicht (EBA) werden sich auch schon mal nach Immobilien umsehen und dann ggf. auch ungeachtet dessen, was UK letzten Endes macht dann den Weg konsequent weiter gehen - Hauptsache irgendwo in der EU.
    Firms plan to quit UK as City braces for more post-Brexit losses
    Außerdem isses eine nette Begründung den Jobabbau weiter zu forcieren, Banken machen das ja Onlinebanking sei Dank ohnehin schon seit längerem.


    Quote

    Das überraschende Nein der Briten zur EU in der vergangenen Woche zwingt Bankvorstände dazu, ihre Geschäftsmodelle noch stärker zu überdenken. Die britische Großbank Lloyds baut zusätzlich Hunderte Arbeitsplätze ab und schließt bis zum Herbst 23 Filialen. Das Hypothekeninstitut bestätigte, dass abzüglich neu geschaffener Jobs 525 weitere Stellen wegfallen. Insider sprachen von 640 Beschäftigten. Lloyds baut schon seit längerem massiv Kosten ab. Für dieses Jahre hat die Großbank bereits den Wegfall von 3580 der 75.000 Stellen angekündigt.


    Der Newsticker ist allgemein recht unterhaltsam.
    Allgemein bin ich aber auch vorsichtig mit dem, was wer da zusammen schreibt - die Vorschläge von google auf entsprechende Suchbegriffe listen ziemlich viele Aluhutschreiberlinge - erschreckend.


    Unternehmen (nicht nur Banken) wollen aber wohl ziemlich sicher Planungssicherheit. Da wird nicht mehr viel investiert werden, bis die sich zu einem Entweder Oder aufraffen. An die Börsenfusion glaube ich nimmer. Auch andere Projekte werden wohl eher zurückgefahren oder umgeplant, das passiert alles im Moment schon und dürfte kaum umkehrbar sein.
    Als großen Gewinner sehe ich da persönlich Irland - selbe Sprache, räumliche Nähe, EU.


    Wenn sie denn austreten, werden sicherlich viele Firmen und Arbeitsplätze abwandern, andererseits würde sicher der eine oder andere dann dort auch seine Niederlassungen verstärken, eben um weiterhin "vor Ort" zu sein.


    Aber derzeit ist da einfach nur Unsicherheit und das ist schlecht.
    Zumal die Abwerbungen ja bereits voll angelaufen sind.


    Letztlich stehen alle dadurch derzeit ziemlich dämlich da, bin gespannt, wie sich das entwickelt. Mir tun bloß die Bekannten und Verwandten in England leid.
    Aber Kleinstaaterei ist halt derzeit in, wundert aber bei dem Versagen der Politik auf allen Ebenen wenig, man traut ja denen in Reichweite schon kaum noch, wie dann jemandem, der so weit weg ist?
    Dabei kostet die verschwendung von Geldern bereits bei unserem Förderalismus schon ordentlich: Gemeinden, Kreise, Länder und Bund geben alle liebend gerne Geld aus anderen Töpfen aus, gespeist werden die blöderweise aber alle durch den Steuerzahler. Niemand will was von seinen Kompetenzen abgeben (ob nu Bildung oder sonstwas), wir leisten uns zig Verwaltungsapparate, jede Kooperation fällt schwer. Das ist dann die andere Seite vom "fremd bestimmt" Gefühl.

    "Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur." Oscar Wilde


    "Millionen Menschen sehnen sich nach Unsterblichkeit - und wissen an einem verregneten Sonntag Nachmittag doch nichts mit sich anzufangen." Susan Erks


    Trollchen auf youtube und trollchen.com

  • Ich denke, dass man in der Politik zu "verkopft" ist. Einem Juristen kann man Argumente anders darlegen als einen Maurer, um das mal plakativ auszudrücken.
    Dazu kommt noch, dass tatsächlich vorhandene Probleme der "kleinen Leute" oftmals nicht erkannt oder ernstgenommen werden. Siehe Migration, da hat der "Ghettobewohner" eine andere Lebensrealität als der Villenviertelbewohner.


    Die radikalen Parteien sind teils stark dadrin Sachverhalte zu vereinfachen und auf die "kleinen Leute" zuzugehen - nah dran an den Problemen zu sein und "Lösungen" anzubieten.
    Es ist halt schon auffällig, dass in irgendwelchen Dörfern NPD und CDU vor Ort engagiert sind und daher tatsächlich in der Lage sind inhaltliche Punkte anzusprechen, die den "Stadtparteien" SPD, Linke und Grüne entgehen. (Also z.b. "bekommt die Dorfstraße einen Fußweg?")
    Dazu kommt dann noch, dass selbst seriösen Politiker gerne mal die Populismuskeule schwingen. Brexit: wenn die ganzen seriösen Politiker seit Jahren gegen die EU wettern und auf einmal wollen die einem erzählen, dass die EU toll sei...naja...das wirkt dann nicht sooo überzeugend.


    Der Witz ist, dass ich durchaus seriöse Politiker kenne, die in der Lage sind komplexe Sachverhalte einfach und bodenständig darzustellen. In den Parteiensümpfen scheint man aber nur noch durch Klüngelei und Dr. Titel weiterzukommen. Letzlich geht das Verständnis für andere Bevölkerungsschichten mehr und mehr verloren, einfach weil da nur noch ein großer Haufen an solide gebildeten Menschen sitzt die im eigenen Saft schwimmen und eben keinen Blick mehr über den Tellerrand riskieren. Dadurch entsteht immer mehr das Bild einer abgehobenen Berufspolitikerwelt. "Die da oben" haben mit "den da unten" immer weniger Schnittmenge, was es dann für radikale Parteien und Ansichten einfach macht.
    Das Empfinden habe ich btw. nicht nur bei Politikern, sondern auch so im Alltag. Gefühlt lässt die "soziale Durchmischung" nach und es bilden sich eigene kleine Welten. Wodurch das Verständnis für Probleme und Sichtweisen anderer verlorengeht und man beim "das sind doch alles Idioten" Gedanken landet.
    Bei sehr intelligenten Menschen ist das weniger ein Problem. Die können am Vormittag beim Stammtisch der NPD mitdiskutieren, am Nachmittag bei der Antifa und am Abend im Seniorenheim. Aber den normalo fällt es halt schon relativ schwer die Tragweite beispielsweise von zu schmalen Fußwegen (Rollator) zu erfassen, wenn man ihn nicht ausdrücklich darauf stößt, dass die Senioren nun nicht mehr aus dem Haus können. Meist sind es ja die kleinen "Gedankenlosigkeiten" die teils ungewollte Konsequenzen haben. Stehempfang für Rollifahrer z.b.
    Tempo 50 für Radfahrer. Verlagerung des Supermarkts auf die Wiese für autolose Senioren. Alles einfach zu verstehen, aber man muss das Problem oft erstmal erkennen. Das können die meisten nicht, man muss auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Das geschieht aber nicht, wenn man nur im eigenen Saft schwimmt und kaum Kontakt zu anderen Bevölkerungsgruppen hat.


    Der normale Wähler mag vllt nicht zu den intelligentesten Wesen gehören. Aber völlig blöd sind die allerwenigsten. Man merkt es halt schon, ob man ernstgenommen wird.
    Von der Flüchtlingskrise, Brexit oder allgemein EU-Themen bis hin zu der Ausländermaut von Horst dem Großen: irgendwo fehlt die nüchterne, sachliche aber vereinfachte Darstellung der Zusammenhänge. Dabei ist das oftmals durchaus möglich, siehe diverse Kindersendungen die auch komplexere Sachverhalte einfach verständlich darbieten (Löwenzahn, Sendung mit der Maus).

  • Den guten Kindersendungen stehen aber unzählige Verdummungs TV Sendungen entgegen, Scripted Reality und so...


    Aber ja, aus dem Porzellanturm entscheiden ist selten hilfreich, wird aber nicht nur in der Politik gern gelebt.
    Was mich halt erschreckt, ist die Zahl der durch Analphabetismus eingeschränkten Menschen (7,5 Millionen wären ja bald 10%), dazu kommen dann die ganzen Schlechtschreiber in Foren und sozialen Netzwerken, die sich trotz arger Probleme noch trauen, sich dort schriftlich auszudrücken und ein finsteres Bild auf die Dunkelziffer derer werfen, die genau das nicht tun.
    An LRS sollen ja auch bis zu 10% der Menschen leiden.


    Wir müssten sehr viel stärker in Bildung investieren, aber da wird leider wie in vielen anderen Bereichen zu arg gespart.

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    Trollchen auf youtube und trollchen.com

  • Es ging mir ja auch eher dadrum, dass es grundsätzlich möglich ist auch recht komplexe Zusammenhänge einfach verständlich zu erklären. Das passiert aber kaum, siehe diverse EU-Themen.


    Ich habe leider immer den Eindruck, dass man in der Politik dazu neigt Probleme zu verschweigen, statt sie anzusprechen. Vermeidungsstrategie, lieber Probleme kleinreden statt sie anzugehen. Das trifft bei der Bildung zu (statt mal bessere Gebäude, Materialien, mehr Lehrerer etc. zu bezahlen), das trifft bei Integrationsthemen zu, das trifft bei der Wirtschaft zu, sozialer Gerechtigkeit und eben auch bei EU Themen.


    Gerade im UK: die blöden Immigranten, Arbeitsplätze blabla. Das deren Wirtschaft ziemlich kaputt war, die Stellen für den "normalo" in der Industrie einfach verloren gegangen sind: dadrüber hat man afaik kaum berichtet. Das u.a. deutsche Autobauer die Fertigung auf der Insel wieder aufgebaut haben - also ausländische Unternehmen.
    Das ist ja auch nicht schlimm. Die Leute merken aber, dass etwas schief gelaufen ist. Sie merken, dass sie ihre Arbeitsplätze verloren haben und es erst nach und nach wieder aufwärts ging. Im Grunde fehlte da also nur einer, der sich hingestellt hat und "dank BMW haben wir nun bla tausend Arbeitsplätze, die den Mini produzieren. Das verdanken wir der EU. Gemeinsam sind wir stark, yes we can blablabla".


    Ich versteh auch nicht, wo das Problem ist zu sagen, dass z.b. Flüchtlingskinder es in Deutschland schwer haben werden. Selbst wenn die vom Schulstoff auf demselben Niveau sind, was wohl eher selten der Fall sein wird: 2 Jahre bis sie deutsch richtig können (optimistisch angenommen) und voll in der Schule mitmachen können? Da dürften wenige ein Abitur schaffen, selbst die guten werden wohl eher in der Realschule sein und die weniger guten (oder schlicht älteren) werden maximal die Hauptschule schaffen. Aber wo ist das Problem? Es gibt eine Menge attraktiver Ausbildungsjobs. Teils werden Lehrlinge ja sogar gesucht. Job der Politiker ist es solche Probleme rechtzeitig zu erkennen, zu benennen und Lösungsstrategien aufzuzeigen. Mehr und bessere Ausbildungsplätze wären ein Ansatz, von dem alle profitieren. Mehr und bessere Durchlässigkeit der Bildungssysteme wären auch ein Ansatz. Studiert man halt nach der Ausbildung wenn man wirklich will, wo ist das Problem (gibts ja sogar)? Mehr Studienplätze, statt über Ärztemangel zu jammern - beispielsweise. Das sind ja Lösungsansätze, von denen jeder profitiert.
    Stattdessen werden Probleme kleingeredet und in 10 Jahren guckt man blöd aus der Wäsche. Siehe die aktuellen Probleme mit den jungen Türken. Weniger den alten. Eben die, die man positiv hätte beeinflussen können - und wo wir es versaut haben.
    Aber vermutlich wird in der Politik immer der Bote erschossen. Wobei ich persönlich den Eindruck habe, dass das überbewertet wird. Denn "man wird ja noch sagen dürfen" sind die Boten. Inklusive meist radikaler Forderungen. Ich habe nicht den Eindruck, dass das denen Stimmen kostet, eher einbringt.
    Ein Grüner, Linker oder SPD politiker wird doch mit einem "mehr durchlässigkeit im Bildungssystem" auch punkten können - auch wenn einer der Hintergedanken ist, dass man Immigranten damit auch unter die Arme greift.
    Zugegeben, die Konservativen habens da schwerer.:D

  • Ich versteh auch nicht, wo das Problem ist zu sagen, dass z.b. Flüchtlingskinder es in Deutschland schwer haben werden.


    Das Problem ist, dass die Politik moderate Aussagen und auch die objektive Wahrheit viel zu extrem interpretiert. Alle warten nur darauf, dass eine Seite in ein vermeintliches Nazifettnäpfchen tritt und dann wird die Populismuskeule geschwungen. Da kann es sogar einen Grünen erwischen, der die Silvestervorfälle offen mit Flüchtlingen in Verbindung bringt und verurteilt. Und nachdem der Mythos der Ärzte und Ingenieure nicht der Wahrheit standgehalten hat, muss man aufpassen, was man sagt. Äußert man sich kritisch gegenüber den Erfolgschancen junger Einwanderer, hetzt man die Arbeiterklasse gegen die Flüchtlinge auf bzw. ist rassistisch; zumindest würde das die jeweilige Opposition behaupten. Denn eigentlich heißt das ja Folgendes: Flüchtlinge belasten das Sozialsystem und verdrängen die weniger wohlhabenden Deutschen aus den "einfachen" Berufen und zwar alle und ausnahmslos. Und das jetzt auch noch über mehrere Generationen hinweg. Die gut konditionierte deutsche Mittelschicht, die bei den Wahlen nicht ganz unwichtig ist, wäre natürlich empört über solche Aussagen und überlegt sich zwei Mal, ob sie ihre Stimme Rassisten geben kann. Etwas anderes ist deutsche Politik doch nicht.

  • For the Record, weil das Thema die letzten Tage erneut hochkam. Die Flüchtlinge, um die es da ging, waren nicht syrische Flüchtlinge. Geht nicht um Haarspalterei, geht darum, dass das nichts mit "dem neuen Problem" zu tun hätte und damit nichts mit der Politik der letzten zwei Jahre.


    Ein anderer Fakt ist, dass AfD Wähler zu einem bedeutenden Teil aus eben angesprochener Mittelschicht kommen.


    FFreak :


    Kommt auf's Alter an. Unter 15 lernt jeder die Sprache, zumindest so, dass die Person im Leben klarkommt innerhalb eines Jahres. Persönlich dauerte es bei mir 3 Monate, ich musste auch nicht wiederholen, selbst Akzent ist nicht geblieben.


    Das Problem ist eher Motivation und Hilfestellungen. Meine Eltern wollten, dass ich in diese Gesellschaft reinkomme und es gab ein soziales Umfeld in das ich konnte. Hätte es das nicht gegeben, wäre ich unter Russen gewesen - ich wäre sicher in dieser Gruppe gelandet. Selbst wenn Eltern wollen, die Möglichkeit muss da sein, da muss staatlich nachgeholfen werden. Stand jetzt geschieht das alles auf lokaler Ebene und auf ehrenamtlicher Basis.


  • Kommt auf's Alter an. Unter 15 lernt jeder die Sprache, zumindest so, dass die Person im Leben klarkommt innerhalb eines Jahres.


    Wir hatten mehrere Russen an meiner Grundschule und das haut (im Alltag) wohl ganz gut hin. Problematisch waren aber später immer noch beispielsweise Diktate oder einzelne Vokabeln, daher hab ich mal 2 Jahre veranschlagt. Mit so einem Handicap hat man es nicht leicht im "normalen" Schulbetrieb. Teils gabs bei uns irgendwelche Sonderbehandlungen (dass deren Diktate z.b. anders gewertet wurden). Letztlich hatten sie es viel schwerer die Leistung zu bringen, die erwartet wurde, als ein Muttersprachler. Ich denke das sollte man auch nicht erwarten, zumindest für diejenigen die schon etwas älter sind. Ist kein Beinbruch, aber man sollte auch nicht so tun als wäre nun alles super. Es gibt Probleme. Die muss man benennen und Lösungen suchen.
    Statt nichts tuend abzuwarten und zuzusehen wie reihenweise Schüler scheitern. Das verursacht dann schwerwiegendere Probleme, an denen wir dann die nächsten Jahrzehnte zu knabbern haben.
    Z.b. besser jetzt mehr in Sprachförderung/Förderunterricht investieren als in ein paar Jahren blöd aus der Wäsche schauen. Oder sich jetzt Gedanken drüber machen wie man es später erleichtern kann z.b. ein Abi nachzuholen. Jemand der sich jetzt noch schwer tut und deshalb keine Gymnasialempfehlung bekommt kann ja durchaus später das Abi nachholen.

  • For the Record, weil das Thema die letzten Tage erneut hochkam. Die Flüchtlinge, um die es da ging, waren nicht syrische Flüchtlinge. Geht nicht um Haarspalterei, geht darum, dass das nichts mit "dem neuen Problem" zu tun hätte und damit nichts mit der Politik der letzten zwei Jahre .


    Was ist denn jetzt "das Thema"? Der Bildungschancen junger Flüchtlinge, etwas ganz anderes oder die Silvestervorfälle? Bei letzteren hat meines Wissens nach niemand gesagt, dass darunter keine Syrer waren. Wie bei den meisten Polizeiberichten, in denen es um Kriminalität durch Asylanten geht, hieß es lediglich, dass, soweit feststellbar, es zum Großteil Männer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum waren, aber prozentual weniger aus Kriegsgebieten. Bei Hunderten ist die Nationalität gar nicht bekannt. Hier mal aus Köln:


    Quote from WDR

    Die Bundespolizei erfasste an Silvester nach WDR-Informationen am Kölner Hauptbahnhof 32 Verdächtige, darunter waren 29 Ausländer: Neben drei Deutschen wurden neun algerische, acht marokkanische, vier syrische, fünf iranische, ein irakischer, ein serbischer und ein US-amerikanischer Tatverdächtiger ermittelt. Insgesamt sollen 22 von ihnen Asylbewerber sein.

    (Quelle)


    Aber selbst wenn keine Syrer darunter gewesen wären, sehe ich nicht, wie man hier von der Nationalität der Täter darauf schließen kann, dass das nichts mit der aktuellen Politik zu tun hat. Es sind doch in den letzten zwei Jahren nicht nur Syrer nach Deutschland gekommen. Und auch Menschen aus anderen Ländern zählen als Flüchtlinge. Ob die hier sein dürfen, ist eine ganz andere Frage. Das ändert aber nichts daran, dass Frau Merkel mit ihrem verantwortungslosen Handeln und die Menschen mit ihren selbstgebastelten Plakaten an den Bahnhöfen den Flüchtlingen, denen Schlepper Märchen vom Paradies Deutschland erzählt haben, eine völlig falsche Botschaft vermittelt und so einen zusätzlichen Anreiz zur Flucht nach Deutschland geschaffen haben. Das ist in den letzten zwei Jahren passiert. Darunter sind jetzt Menschen, die nicht so gut zu unserem Werte- und Rechtssystem passen. Hätte man vorhersehen können, hat man wohl auch, aber Deutschlands Außendarstellung hatte natürlich damals Priorität. Stumpf wie immer und dann kippt die Stimmung. Wer hätte es gedacht? Frauen als hinzunehmende Kollateralschäden zu betrachten, funktioniert dann doch nicht so gut. Es gibt einen klaren Zussammenhang zwischen den Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre und der steigenden Rate an sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen in Deutschland. Als Mitglied des Patriarchats kann man davor vielleicht noch die Augen verschließen und der politischen Korrektheit frönen, als Frau ist das in deutschen Städten nicht so einfach.


    Quote

    Ein anderer Fakt ist, dass AfD Wähler zu einem bedeutenden Teil aus eben angesprochener Mittelschicht kommen.


    Ob das ein Fakt ist, hängt vor allem von deinen Quellen und deiner Definition von "bedeutend" ab. Ich werde es dir nicht absprechen, aber ich halte es eher für eine Meinung und ich habe eine andere:


    Quote from FAZ

    Den größten Rückhalt hat die AfD unter Arbeitern und Arbeitslosen, den geringsten unter Rentnern. Das trifft auf alle Bundesländer zu, am deutlichsten aber auf Baden-Württemberg


    (Quelle | Dazugehörige Grafik)


    Wir sprechen also von maximal 30% von 12%-15% (in Westdeutschland, (aktuell 8%-13% auf Bundesebene) der wahlberechtigten Gesamtbevölkerung. Daher erlaube ich mir weiterhin, mich negativ über die deutsche Mittelschicht als Ganzes zu äußern.

  • Andere als Syrer sind auch zuvor ins Land gekommen, wo ist das dann neu? Die aktuelle Politik ermöglichte syrische Zuwanderung in der Form bedingt durch aktuelle Geschehnisse, natürlich steht sie im direkten Zusammenhang.


    In der Verlinkten ARD Quelle der FAZ, also in der geposteten Grafik ist doch der Anteil der Selbstständigen plus Angestellten symmetrisch zum Anteil der Arbeiter und praktisch symmetrisch zu dem der Arbeitslosen. Wer soll sonst Mittelschicht sein? :spec:


    Sicher mag nicht alle Kritik an der Einwanderungspolitik verkehrt sein. Einzig die Motive sind häufig Bullshit. Hier geht es nicht um die Sorge um die Menschen, die hierher kommen. Auch der Glaube, dass morgen Deutschland deswegen wirtschaftlich auf dem Kopf steht ist schwachsinnig. Also bleiben Ressentiments. Wir führen diese Debatte in Deutschland, weil Menschen Sündenböcke brauchen und immer gebraucht haben. Zu faul, zu dumm, zu ungebildet für komplexe Sachverhalte oder Empathie, viel leichter ist es das Ganze auf ein Medium abzuwälzen, in dem Fall Refugees.


    Tut mir leid, aber ich kann auch mit hippen Zynismus nicht viel anfangen, irgendwann wächst man da raus. Merkel suckt, Politsystem suckt, so schliiiiiimmmmmm was hier passiert. Achso.


    Ein Paar Quellen zu Refugees und Wirtschaft:


    https://www.washingtonpost.com…-big-myth-about-refugees/


    http://www.nytimes.com/2015/09…on-not-a-burden.html?_r=0


    Und noch was sehr treffendes zu coolen dissidenten Meinungen:


    [Blocked Image: https://imgs.xkcd.com/comics/sheeple.png]

  • Andere als Syrer sind auch zuvor ins Land gekommen, wo ist das dann neu?


    Auch da haben nicht alle juhu geschrieen. Bei den Türken lief offenbar ziemlich viel falsch, wenn man sich manche junge Türken aktuell ansieht. Das sollte man schon besser machen.
    Auch bei den Russlanddeutschen lief offenbar einiges falsch, siehe den Ärger den wir bei dem verschwundenen Mädchen hatten.
    Es ging jedenfalls stark um die Anzahl der Flüchtlinge. Pro Jahr hat Deutschland 700.000 Geburten meine ich. Inklusive ehemalige Einwanderer. Da sind dann eine Million Flüchtlinge (kA woher die Nummer stammt, das war aber die in den Medien präsent war) in einem Jahr schon viel. Bei längerfristig derartig hohen Zahlen ist dann irgendwann der deutsche in der Minderheit - und mit dieser Angst hat die AfD ja auch gearbeitet.
    Ich persönlich bin der Ansicht, dass es irgendwo eine Obergrenze gibt, die ein Land verträgt. Irgendwann nehmen Konflikte zu, es kommt zu Gewalt usw. Nach einer gewissen Zeit sind Immigranten auch vollständig integriert und es gibt keine Probleme mehr. Das mag bei manchen nach einem Jahr sein, bei anderen nach 10 Jahren - und manchmal nach X Generationen.
    Aber man kann nicht unbegrenzt aufnehmen. Gerade Menschen aus komplett anderen Kulturen werden es auch sehr schwer haben sich zu integrieren, da müssen ja teils fest verankerte Werte abgelegt werden. Das geht nicht, nach zwei drei Generationen vllt. Wenn man aus religiöser Überzeugung Frauen die Hand nicht geben will ist das ein Problem, ist eben eine grobe Respektlosigkeit hierzulande.
    Das braucht dann Zeit, bis die Religion etwas weniger streng ausgelegt wird.

  • Es gibt einen Unterschied zwischen Tatsachen und subjektiver Empfindung. Du sagst selbst, "wenn man die jungen Türken so ansieht". Das Ding ist nur, auffallen werden immer die, die scheiße sind. Ist das Image des kulturfremden Asicheckers wirklich repräsentativ für die Türken in Deutschland?


    Gauland hat halt auch nicht verstanden, dass es sowas wie, "die deutsche Kultur" nicht gibt. Es gibt die heutige deutsche Kultur, es gab mal eine andere und in dreißig Jahren kennt man eine neue. Die Vorstellung wir nehmen ein Maximum an Migranten auf, wandeln sie in ein paar Generationen in urdeutsche Thomas Müllers um und dann sind sie "integriert" ist nicht zeitgemäß. In ihrer Begründung aber natürlich verständlich - ich hab' meinen Nachbarn mit seinem Dackel, pflege den Besuch im Biergarten und Grille gerne Steaks mit Freunden. Injektion einer Fremdkultur heisst, da kann sich was dran ändern und das ist potentiell scheiße. Diese Wahl hat man aber nie gehabt, Kulturen befinden sich im ewigen Wandel. Türken in Deutschland sind keine Parallelkultur, sie gehören inzwischen zur deutschen Kultur.


    Du sagst Kriminalität nimmt zu, was medial ja durchaus befeuert wird. Aber ist das so? Ich mein', es basiert auf der Vorstellung, dass westliche und östliche Kulturen, einfach generell zu unterschiedlich sind um koexistieren zu können. Hinterfragen muss man also, ist diese Vorstellung korrekt? Zahlen sagen, "nö".


    TAZ stützt sich auf einen BKA Bericht, der im Artikel verlinkt ist.
    http://www.taz.de/!5311737/


    Hier ist das Argument veranschaulicht, dass organisierte Banden auf Durchreise mit für die Zahlen verantwortlich sind. Diese haben mit Einwanderung nichts zu tun.
    http://www.zeit.de/wirtschaft/…ion-mythen-fakten/seite-4


    Über das Stigma
    http://www.fr-online.de/die-my…s-,34020742,34198552.html


    Hier ist ein interessanter Bericht. Zum einen über Wohnungseinbrüche zum Beispiel in Berlin. Dazu empfehle ich eine Anne Will Sendung zu suchen, da geht es um einen ehemaligen aus der Szene und Kriminalität in Deutschland im Zusammenhang mit Migranten. Die besagten Ausländer sind keine Einwanderer, sondern eben erwähnte Durchreisebanden. Zum anderen der Warnhinweis totale Zahlen und relative Zahlen nicht durcheinanderzuwerfen wie Lego.
    http://www.zeit.de/gesellschaf…eiliche-kriminalstatistik


    Dem gegenüber steht dann solcher Schwachsinn hier aus zB Österreich (alleine die "Logik" der Überschrift ist Satire):
    http://www.krone.at/Oesterreic…nalstatistik-Story-499891


    Es sind subtile Suggestionen die den Eindruck prägen. Wir lesen, "Mann vergewaltigt Frau und schlägt sie nieder" und denken, "furchtbar". Aber wir lesen dann, "Flüchtling misshandelt deutsche Studentin" und schon ist eine Hassreaktion gegenüber einer Gruppe geschaffen. Hätte doch nur der erste Artikel analog geheißen, "Deutscher vergewaltigt Migrantin und schlägt sie nieder".


    Man mag denken, diese Subtilität würde auf einen selbst keinen großen Einfluss haben - das ist Quatsch. Es passiert jedem von uns, das darf Grundannahme sein. Ein Beispiel dazu, dass alleine die Formulierung einer Tatsache den Sachverhalt in den Augen des Betrachters massiv verändern kann präsentiert dieser spannende Artikel:
    http://www.zeit.de/2015/33/eri…chtnis-gericht-fehlurteil


    Empfehle ich zu lesen ungeachtet der anderen Themen hier. Mehr dazu findet man mit Hilfe des Stichwortes Loftus.


    Langer Rede kurzer Sinn, wir sehen was uns suggeriert wird und wir sehen was wir sehen wollen. Vieles davon trifft nicht zu.

  • Andere als Syrer sind auch zuvor ins Land gekommen, wo ist das dann neu?


    Die Zahlen der Flüchtlinge aus Nordafrika und aus arabischen Staaten, die nicht direkt im Einflussgebiet des IS liegen, haben ebenfalls stark zugenommen. Das ist neu. Die direkten Folgen, die das für die hiesige Bevölkerung hat, sind ebenfalls neu.


    Quote

    Sicher mag nicht alle Kritik an der Einwanderungspolitik verkehrt sein. Einzig die Motive sind häufig Bullshit. Hier geht es nicht um die Sorge um die Menschen, die hierher kommen. Auch der Glaube, dass morgen Deutschland deswegen wirtschaftlich auf dem Kopf steht ist schwachsinnig. Also bleiben Ressentiments. Wir führen diese Debatte in Deutschland, weil Menschen Sündenböcke brauchen und immer gebraucht haben. Zu faul, zu dumm, zu ungebildet für komplexe Sachverhalte oder Empathie, viel leichter ist es das Ganze auf ein Medium abzuwälzen, in dem Fall Refugees.


    Häufig sind die Motive das. Nur macht sich kaum jemand die Mühe, zwischen stumpfen Stammtischparolen und echten Sorgen zu unterscheiden, bzw. hört man gar nicht erst zu. Man schert einfach alle Menschen über einen Kamm und spricht abwertend von "besorgten Bürgern", was ja inzwischen ein Synonym für das klassische "Nazi" geworden ist. Nur immer mehr dieser Sorgen haben überhaupt nichts damit zu tun, dass "uns die Ausländer die Jobs wegnehmen". Ich persönlich kenne keinen Westdeutschen, der sich kritisch gegenüber der Flüchtlingspolitik Deutschlands äußert und dem es dabei um die paar Milliarden Euro oder Arbeitswillig- und fähigkeit der Flüchtlinge geht (was nicht heißt, dass es diese Denkweise nicht gibt). Ich höre auch sehr selten, dass die Flüchtlinge einfach wieder verschwinden sollen. Es ist selbstverständlich, dass man denen hilft, die es brauchen. Das Verständnis hört nicht bei denen auf, die sich nicht einbringen, es hört bei denen auf, die destruktiv auf diese Gesellschaft einwirken. Sexuelle Übergriffe hat es hier vor kurzer Zeit noch nicht in diesem Ausmaß gegeben. Das betrifft nur eine kleine Prozentzahl der Flüchtlinge, aber bloß weil man es relativieren kann, heißt das nicht, dass es kein Problem ist. Und dieses Problem sollte von der Politik und Gesellschaft ernstgenommen werden. Sonst gehen diese Menschen eben dahin, wo sie glauben, dass man ihnen zuhört und davon profitiert dann auf lange Sicht unter Umständen niemand.


    Quote

    Tut mir leid, aber ich kann auch mit hippen Zynismus nicht viel anfangen, irgendwann wächst man da raus. Merkel suckt, Politsystem suckt, so schliiiiiimmmmmm was hier passiert. Achso.


    Wie schnippisch.


    Quote


    Das sind amerikanische Artikel, in denen nicht ein einziges Mal das Wort "muslim" oder "Islam" fällt. Die New York Times erwähnt darüber hinaus nicht das Wort "integrate"/"integration", in der Washington Post sind mit diesem Begriff keine Lösungsansätze verknüpft. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Artikel die hiesige Realität mit den möglichen Problemen bezüglich der Integration abbilden. Aber genau da muss man ansetzen, wenn das Zusammenleben funktionieren soll.


    Quote

    Und noch was sehr treffendes zu coolen dissidenten Meinungen


    Kleine Seitenhiebe dürfen in einer Internetdiskussion natürlich nicht fehlen, aber ich finde es schon sehr ironisch, dass du dich gerade für dieses Wort entschieden hast. Denn diese Attitüde spiegelt irgendwie genau das wieder, worüber ich mich beschwere und was du hier lächerlich machen willst.


    Quote from Wikipedia

    (Dissident) Hauptsächlich wird die Bezeichnung nur für Oppositionelle in Diktaturen und totalitären Staaten verwendet, weil das ungehinderte Aussprechen der eigenen Meinung in Demokratien ein Grundrecht ist und damit als selbstverständlich gilt.


    Merkst du selbst, Comrade.


  • Es gibt einen klaren Zussammenhang zwischen den Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre und der steigenden Rate an sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen in Deutschland. Als Mitglied des Patriarchats kann man davor vielleicht noch die Augen verschließen und der politischen Korrektheit frönen, als Frau ist das in deutschen Städten nicht so einfach.


    Hör auf Lügen zu verbreiten!
    Seit 2006 gehen die Fälle von sexueller Nötigung konstant zurück von ca. 7k auf heute unter 5k pro Jahr. (erfasste Fälle)
    Anzahl der Vergewaltigung schwanken, sind aber auch eher rückläufig als das diese steigen.
    Die Zahl der sexuellen Vergewaltigungen mit Todesfolge sind ganz deutlich zurück gegangen!


    Und jetzt kommts: In der gleichen Zeit sind die Zahlen der Flüchtlinge/Asylanträge etc. deutlich gestiegen! Mit deiner verengten Sichtweise müsste man daher sagen, die Flüchtlinge machen Deutschland sicherer! :D


    Btw. das Phänomen hatte man auch schon bei Kindsmorden/Misshandlungen/Entführungen etc. in den letzten 30 Jahren, ist alles eher rückläufig, aber in den Medien wurde darüber 10mal mehr berichtet. Fragt man die Menschen danach, denken viele deshalb die Zahlen würden zunehmen, ist aber nicht der Fall.

    Ing Gw2: Amok


    Für ein höheres Marketing Budget bei Anet, unterschreibe noch heute unsere Petition!!!

  • Ich habe mich da an die Defintion des Dudens gehalten, hat schon so gepasst. Und hey, Gauland sagt auch, Merkel sei unser Dikatator.


    Manche Aussagen sind schnippisch, gebe ich dir recht. Sie sind eine Reaktion auf das, was ich als pseudointellektuelle Politik beschreiben würde. Wer in studentischen Kreisen verkehrt merkt was ich meine. Alles in Frage zu stellen und zynisch Kritik zu üben gehört gerne mal zum Lebensstil. Alles was Politiker machen ist doof und überhaupt, warum versteht nicht jeder mein viel besseres politisch-soziales Lebenskonzept?


    Unser politisches System macht nicht nichts. Allerdings, um sich auf deinen Hauptteil zu beziehen, ist die externe Kommunikation sehr radikal. Das heisst, interne Debatten erlauben durchaus das Erkennen von Problemen und auch sie anzusprechen. Das merkt man wenig in der Kommunikation nach draußen, eher beim Verfolgen interner Diskussionen. Nach draußen geschieht, was du beschrieben hast - wer was falsches sagt kriegt politisch auf's Maul. Es gibt auch welche, die das nutzen. Allerdings wurde schon ganz richtig erkannt, dass die AfD u.a. den Vorteil nutzt, dass die CDU unter Merkel ein ganzes Stück in Richtung Mitte gerückt ist. Ich persönlich begrüße das, aber da es immer ein Spektrum an Meinungen geben wird, bietet das Angriffsfläche. Nicht ganz sollte man die Frage nach Henne oder Ei vergessen. Liegt es an schlechten Politikern, dass sie Wähler nur mit Phrasen statt contentbehafteter Kommunikation erreichen wollen? Oder liegt es eher daran, dass die natürliche politische Selektion des Volkes nur diejenigen durch ihr Sieb lässt, die die Kunst der Plattitüden beherrschen?


    @USA Artikel: Dacht ich's mir doch, dass dich die Quellenherkunft bei den zwei stört. Aber gibt auch Paper mit EU Quellen.
    http://media.enikonomia.gr/dat…d9d78757c85e0c0114b7d.pdf


    Quote from Sharyn

    Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Artikel die hiesige Realität mit den möglichen Problemen bezüglich der Integration abbilden. Aber genau da muss man ansetzen, wenn das Zusammenleben funktionieren soll.


    Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Deutschland malt sich seine Realität aus einem Gefühl heraus. Wenn man erstmal anfängt selektiv wahrzunehmen, dann ist auch jeder Muslim Terrorist. Realität basiert aber auf Fakten und Fakten stützen sich auf Daten. Beschweren wollen wir uns alle, was lesen wollen wir aber nicht. Das ist auch völlig okay, bis zu dem Punkt, an dem es anfängt das Schicksal von anderen zu beeinflussen.


    Ich frage mich, was genau du befürchtest, was dir oder deinen Mitmenschen passieren soll? Die Welt ist wie sie gestern auch war, es gibt immernoch Idioten, sie bauen immernoch Scheiße. Nicht mehr oder weniger als vorher auch. Vielleicht raubt mich eine Asylantengang aus, vielleicht schlagen mich Nazis halb tot. In so einem Fall werde ich vermutlich auch sehr subjektiv sein. Aber ohne zynisch klingen zu wollen - Einzelfälle können schreklich sein, aber würden wir so politische Entscheidungen treffen, würde das Volk vermutlich Pädophile lynchen und laut meiner Facebook Verkehrsgruppe Temposünder an Bären opfern.



    Ich werfe noch als Bonus eine kleine Anekdote ein. Zu der sage ich auch gleich - sie hat keinerlei Tragweite. Mir ist auch klar, dass sowas keine statistische Signifikanz hat. Einfach nur passend zum Thema.


    ~qaLa's Märchenstunde~


    Meine Eltern haben mir bei unserem letzten Telefonat eine Geschichte erzählt, die fand ich sehr anschaulich. Irgendwann am Wochenende stellte meine Mutter neue Möbel auf der Hausterrasse auf. Meine Eltern sind irgendwann ins Dorf gezogen. Was da gerne mal passiert, ist, dass Nachbarn kommen und einfach mal was erzählen (ich, als Großstadtkind, finde das selbstredend vollkommen absurd) und so war es auch an diesem Nachmittag.


    Ein Nachbar von uns kam rüber und fing an sich zu beschweren und aufzuregen. Er erzählte, dass es im nächsten größeren Ort einen Lidl gibt, der momentan geschlossen sei, schon schrecklich was mit Deutschland passiert. Meine Mutter fragte ihn wohl etwas verwundert, warum das schrecklich ist. Daraufhin erzählte er, dass in der Nähe des Lidl eine Flüchtlingsunterkunft bereitgestellt wurde. Die Diebstahlrate im Lidl ist seitdem derart explodiert, dass der Lidl dicht gemacht hat. Das stimmte auch, der Lidl *war* dicht und im Dorf war das eine Art aktuelles Thema.


    Jedenfalls setzte er das Gespräch dann fort mit einer Hasstirade gegenüber Flüchtlingen und Politikern und whatever. Bis meine Mutter die Schnauze voll hatte und ihn fragte, was er für einen Schwachsinn erzählt. Die eigentliche Pointe ist, dass der Geschäftsführer unser Bekannter ist. Der Lidl hat nicht dicht gemacht, er wird renoviert, völlig unabhängig vom Flüchtlingsheim. Und das Flüchtlingsheim ist für den Lidl laut unserem Bekannten wenn dann hilfreich, denn das Ding liegt in einem Industriegebiet und jetzt gibt es eine Art kleine Stammkundschaft.


    Braucht natürlich niemand zu glauben, dass bei uns im Heimatdorf dieses Gerücht um den Refugee durchseuchten Lidl verlorengegangen sei. Alle haben das mitgenommen, was eine einfach zu verarbeitende Botschaft liefert - Flüchtlinge sind kacke.

  • Den Satz, den Amok zitiert hat, hätte ich fast vergessen. Das ist genau das was ich meinte mit, Realität vs Empfinden von Realität. Es ist aber insofern ein sehr wichtiger Satz, weil er sehr repräsentativ ist für ein allgemeines Empfinden in Deutschland. Nur ob Flüchtlinge, Medien oder Politiker schuld an diesem Empfinden sind ist die eigentliche Frage dieser Diskussion.


    Schätze das mit dem Patriarchat war dann wohl auch schnippisch. Irgendwie ironisch, nicht?

  • Statt euch hier theoretisch mit dem Thema Flüchtlinge auseinander zu setzen, ob diese nun gut oder schlecht sind für uns, geht mal raus auf die Straße. In die Stadteile deren Mietpreise sich der normale Arbeiter als Alleinverdiener leisten kann, abends. Unterhaltet euch mal mit Leuten die tagtäglich mit den Asylforderern arbeiten (inzwischen) müssen, besonders mit den weiblichen Mitarbeitern. In meinen Bekanntenkreis befinden sich einige Polizisten/-innen, interessant was die so hinter vorgehaltener Hand berichten. Da braucht ihr euch nicht zu wundern warum die AfD Zulauf hat und große Teile der Bevölkerung mit Sorge auf die zunehmende Präsenz des Islam in unserem Land sehen. Klar, der wohlbehütete Student schaut schon drauf dass er seinen sicheren Dunstkreis nicht verlassen muss.

  • Oder der wohlbehütete Student engagiert sich im Jugendhaus bei Flüchtlingsprojekten, wie Bereitstellung von Fahrrädern und Transportdiensten, hilft Benefizkonzerte zu organisieren und holt mit anderen Helfern zuständige Sozialarbeiter ins Haus (in dem Fall beide weiblich btw.) um von ihnen Erfahrungen im Rahmen von Seminaren über die Gesamtsituation zu erhalten. Über unsere Leute sind Sprachkurse organisiert worden, Sozialtreffs, Fonds für Rechtshilfe.


    Aber ansonsten, cool Story.

  • Uh, da kann man ruhig mal klatschen. :thumb: Btw. Bereitstellung von Fahrrädern und Transportdiensten, Benefizkonzerte, Sozialarbeiter, Seminare, Treffs, Fonds für alles mögliche...machst du das auch für kinderreiche einheimische Familien die knapp an der Armutsgrenze jonglieren?