Gott - gibt es ihn oder nicht?


  • Abgrenzung nach außen, Feindbilder, Macht. Bei jeder Einreichtung, von der Kirche zur Schule, von "linken" Gruppen über Neonazis, Sportvereine - alle haben dasselbe Problem.


    Das macht jenen Aspekt von Religionen allerdings nicht weniger negativ.
    Warum Du hier relativierst, ist mir unklar.


    Quote

    Im Endeffekt dürfte das ein typisches menschliches Verhalten sein - was man richtig findet/als richtig erlernt hat gibt man weiter.


    Das ist völlig richtig - Ändert aber nichts an der Feststellung, dass der ganze Kram nicht von sich raus beim einzelnen entsteht sondern immer schon in Färbung weitergegeben wird.
    Mir gings um die weiter oben getroffene Aussage, dass Religion und SPiritualität losgelöst von der jeweiligen Institution zu betrachten seien. Steht aber auch dort, wo Du das Quote herhast.


    Auch hier ist mir Motiviation für die Relativierung unklar.

    Quote

    Mit Religion/Kirche hat das wenig zu tun, sondern damit, dass der Mensch ein saudummes Herdentier ist und selber gern das Leitvieh wäre.


    Mit dem Unterschied, dass man hier - wie schon gesagt - nochmal ne höhere Legitimation hat.
    Merk man auch immer dann schön, wenn einzelne Religiöse sich dann dochmal für irgendwas verantworten müssen und dann halt doch irgendwo mit "Gott" daherkommen.
    Oder wenn bei zwischenmenschlichen Fehlschägen sich damit aus der Verantwortung gezogen wird, dass man das "zwischen sich und Gott" ausmache oder selbst berechtigte Kritik mit "Gott nimmt mich an wie ich bin" weggewischt wird.


    Ja, richtig - Idioten gibbet auch ohne Gott. Allerdings scheint mir der Mist dann doch nochmal ne *noch* billigere Ausrede als so manch anderes...

  • Ich finde man kann Religionen/Kirchen nicht typisch menschliches Verhalten vorwerfen. (Außer wenn man damit einen Anspruch Richtung "wir sind von Gott gesandt und unfehlbar muhaha" begegnen).


    Aber ob man Ausreden religiös begründet "gott nimmt mich wie ich bin" oder eben unreligiös "hauptsache ich fühl mich wohl" "dick und glücklich" ist doch egal. Da greifen wieder menschliche Mechanismen, die man der Religion so nicht vorhalten kann. Individualität ist auch so ein gerne genutzte Ausflucht. Oder die angeblich bewusste Abkehr von Konventionen. Gerade was so Hilfe anbietet/erfragen angeht zum Beispiel.

  • Außer wenn man damit einen Anspruch Richtung "wir sind von Gott gesandt und unfehlbar muhaha" begegnen.


    Ist aber genau der Punkt - Hier wird genau diese Unfehlbarkeit für sich in Anspruch genommen, ebenso wie den Anspruch, für "Gutes" zu stehen.

  • Nungut, sowas ist mir meiner Erinnerung nach bisher noch nicht begegnet (oder ich habs halt nicht so wahrgenommen).
    Ein Hinweis Richtung "ihr macht denselbenMist wie alle anderen auch" ist dann natürlich durchaus angebracht.

  • Nungut, sowas ist mir meiner Erinnerung nach bisher noch nicht begegnet (oder ich habs halt nicht so wahrgenommen).


    Errrm. Dir ist aber klar, dass jegliche theistische Religion/Sekte/etc grundsätzlich als oberste Legitimation "God sayz" hat und hierauf so ziemlich alles begründet?

  • Ich kenns eher so, dass das Richtung "Gott will, dass wir lieb und nett zueinander sind, weil blablubsbla".
    IdR gibts ja gewisse moralische Überzeugungen (die dann auch durchaus begründet werden. Und seis mit einem "jeder braucht mal Hilfe") von denen dann wiederrum ein Verhalten abgeleitet wird (hilf anderen).
    Das mag dann vllt die modernere Interpretation sein, bei der hinterfragt wird warum Gott will, dass man seinen nächsten liebt. Aber Job eines guten Pastors ists eben auch zu vermitteln warum so ein Handeln richtig ist.
    Mit "Gott will" kommt man da nicht weit.


    Wenn man sich das nüchtern anschaut: man projektiert als gut empfundenes auf Gott und macht ein "Gott will" daraus.
    Und da Gott gutes will kann man dann fleißig basteln.;)


    Afaik hatte Aki hier auch irgendwo mal ein Dokument vom Expapst verlinkt, auf dem mehr oder weniger neutral argumentiert wurde, dass eine Ehe auch ein "Bündnis zum Arterhalt" ist und dieses Merkmal eben Homosexuellen Partnerschaften fehlt, weshalb die eben nicht gleichzusetzen sind. Das ist eine, wie ich finde, relativ sachliche Argumentation. Sicherlich wird da ein bisschen "Gott will", "leben ist heilig" oder ähnliches dazu gepackt und das ganze in den religiösen Karren eingespannt.


    Meiner Meinung nach wissen die Kirchen sehr genau, dass sie Begründungen liefern müssen. Ein "warum darf ich meine Ehefrau nicht erschlagen" mit einem "Gott will es so" zu beantworten dürfte nichtmal die eigenen Anhänger überzeugen.


    Edit: man versucht Gottes Willen zu verstehen;)


  • Mit "Gott will" kommt man da nicht weit.


    Bibel/"Wort Gottes"/etc stellt allerdings nunmal die moralisch-ethische Grundlage dar. Daran orientieren sich Ethikdiskussionen und dergleichen seiotens der Religionen.
    Will heissen. Gott und dessen Wille als Basis von Argumentationen.

  • Die Diskussion/Predigt dreht sich schon um religiöse Dinge/Gottes Wort/etc.
    Das Problem dabei: Gottes Wille ist nicht klar formuliert geschweige denn unverfälscht.
    Es wird also interpretiert/argumentiert. Und das mit der Annahme eines guten Gottes.


    Ich kenns halt aus der Kirche nicht, dass ein "Gott will es" leer im Raum steht. Jedenfalls kam da imho immer eine neutrale Begründung zu verknüpft mit einem religiösen Kontext.
    Beispielsweise wurde irgendwann mal begründet welche Funktion die 10 Gebote hatten/haben sollten.
    Und eben nicht nur "ist so, basta" gesagt.


  • Das Wort "Kirche" wurde auch bei mir nirgends erwähnt.


    Du hast es nicht explizit gesagt, aber alle deine Punkte die du aufgeführt hast, beziehen sich auf institutionelle Aspekte, mit dem "Glauben an Gott" haben sie nichts zu tun. Außer du setzt eben Glauben mit der Kirche gleich.



    Blöd nur, dass halt noch n Haufen Krempel mit drinhängt: Macht, Geld, Kriege, Diskriminierung von Schwulen/etc, Bildung fragwürdiger Strukturen in kleineren wie grösseren sozialen Kreisen (Jo, die lustigen Dörfer), etc.


    Sind alles Punkte die nur von Seiten der Institution geprägt sind, die Frage ob man gläubig ist oder eben nicht, lässt auch keine Rückschlüsse auf jeweilige Einstellungen der Einzelperson zu. Von daher ist die Antwort auf die Frage werteneutral zu betrachten.



    Allerdingsgings mir mit obigem Kommentar drum, aufzuzeigen, dass ein "jeder soll glauben was er will" nicht ganz so einfach und konsequenzfrei ist, wie man ohne nähere Reflexion vielleicht denken mag.


    Doch genau so ist es, aus der Antwort auf die Frage kannst du keinerlei Konsequenzen ableiten. Du kannst lediglich darüber spekulieren, das hat aber nichts mit einer näheren Reflexion zu tun.



    Weiterhin vergisst Du, dass die Frage sich ohne eine wie auch immer geartete Kirche oder ähnlichem kaum Stellen würde - Die vermeintliche Existenz Gottes wird schliesslich von dieser propagiert. Ob ohne solch eine Form der Propaganda überhaupt existieren würde und für den den Einzelnen überhaupt die Frage nach solcherart Existenz aufkommen würde, bezweifle ich dann doch sehr.


    Sehr interessantes Thema.
    Gott ist die Antwort auf die Frage "Warum?" Diese Frage stellt sich heute noch mindestens genauso oft wie vor hunderten von Jahren. Nur wird sie mitlerweile eher mit der Wissenschaft, als mit Gott beantwortet, denn sie hat einen gewaltigen Vorteil, sie ist greifbarer für den Menschen. Trotzdem setzt auch sie einen Ursprungsglauben vorraus und zwar, dass man dem vertraut, was man wahrnehmen, messen bzw. sich erklären kann.
    Stelle ich mir die Frage, gebe es den Glauben an etwas Übernatürliches ohne die Kirche und paralellel dazu, gebe es die Wissenschaft auch ohne Menschen die diese propagieren, muss ich beides mit Ja beantworten.
    Denn die Frage "Warum?" wird weiterhin gestellt, solange bis man eine Antwort für sich findet.

    Ing Gw2: Amok


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  • Wissenschaft befasst sich ganz sicher nicht mit der Frage "Warum?". Zumindest nicht jenes "Warum?" um welches es hier geht, wenn überhaupt um irgendeines.


    Aus einer bestimmten Überzeugung entsteht eben oft Handeln, jeder handelt nach seiner Überzeugung nur ist dieses Handeln nicht zwangsläufig kritisch. So verstehe ich 7 und so sehe ich das auch.

  • Wissenschaft befasst sich ganz sicher nicht mit der Frage "Warum?". Zumindest nicht jenes "Warum?" um welches es hier geht, wenn überhaupt um irgendeines.


    Mit was befasst sich die Wissenschaft denn sonst?
    Ohne Frage, kann man auch keine Antwort geben. Denn worauf sollte es eine Antwort sein, wenn es keine Frage gibt? (Die Abfolge dabei ist egal)
    "Warum ist die Banane krum?" Derzeit wäre die Antwort entweder Gott oder eine wissenschaftliche Begründung. Wo soll da ein Unterschied in der Frage "Warum?" sein?

    Ing Gw2: Amok


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  • Du hast es nicht explizit gesagt, aber alle deine Punkte die du aufgeführt hast, beziehen sich auf institutionelle Aspekte, mit dem "Glauben an Gott" haben sie nichts zu tun. Außer du setzt eben Glauben mit der Kirche gleich.


    Kirchen sind nunmal die Instutionalisierte Variente von "Glauben".
    Das wiederum hat seinen Ursprung in der Frage "Gibt es Gott?".


    Gott als höhere Bedingung für den Gläubigen bleibt dabei so oder so bestehen. Selbst wenn nicht "kirchlch" geglaubt wird - "Gott" als unbewesene Autorität stellt dabei die höchste Autorität dar. Natürlich hat das Konsequuenzen.


    Quote

    Sind alles Punkte die nur von Seiten der Institution geprägt sind, die Frage ob man gläubig ist oder eben nicht, lässt auch keine Rückschlüsse auf jeweilige Einstellungen der Einzelperson zu. Von daher ist die Antwort auf die Frage werteneutral zu betrachten.


    Nicht wirklich. Man nimmt eine Autorität an, deren Existenz nichtmal bewiesen ist (was n Unterschied zur Unterordnung unter andee Autoritäten macht). Halte ich für fahrlässig.


    Und siehe oben.


    Quote


    Doch genau so ist es, aus der Antwort auf die Frage kannst du keinerlei Konsequenzen ableiten. Du kannst lediglich darüber spekulieren, das hat aber nichts mit einer näheren Reflexion zu tun.


    WIe ich dir bereits schon erklärte, ist die gemeinte Konsequenz nicht auf die Frage "Gibt es Gott" bezogen sondern auf die Aussage imho sehr fahrlässige Aussage "soll jeder glauben was er will" - Das ist zwangsläufig nicht Konsequenzfrei, da Handeln nunmal auch an Weltbild und Wertvorstellungen geknüpft ist.






    Quote

    Nur wird sie mitlerweile eher mit der Wissenschaft, als mit Gott beantwortet


    Wird es ja im theologischen Bereich explizit nicht. Theistisch geprägte Wissenschaft geht dabei von einer vagen und nicht beweisbaren Vorstellung aus, setzt die Existenz Gottes aber als gegeben und argumentiert anhand dieser. Was in höchstem Maße unwissenschaftlich ist.





    EDIT:
    Und ja - qaLa versteht mich richtig.
    Gläubiuger Mensch nimmt an "Gott existiert" - Dementsprechend wird die andere Option, nämlich die Nichtexistenz, nicht in Betracht gezogen. Dementsprechend eingeschränkt in puncto Kritik und Reflexion ist Handeln unter der Annahme "Gott existiert".

  • Mit was befasst sich die Wissenschaft denn sonst?
    Ohne Frage, kann man auch keine Antwort geben. Denn worauf sollte es eine Antwort sein, wenn es keine Frage gibt? (Die Abfolge dabei ist egal)
    "Warum ist die Banane krum?" Derzeit wäre die Antwort entweder Gott oder eine wissenschaftliche Begründung. Wo soll da ein Unterschied in der Frage "Warum?" sein?


    Wie Dinge funktionieren? Welche Gesetzmäßigkeiten dem zugrunde liegen? Ganz sicher nicht mit der philosophischen Frage "warum", alleine schon weil diese rekursiv endlos aufrufbar wäre.
    - Warum fällt die Banane vom Baum?
    - Gravitation.
    - Warum funktioniert Gravitation?
    - Attraktion von Masse, blah
    - Warum?
    - Weil.
    - Warum?
    ...


    Sicherlich kommt aber nach einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht am Ende die Antwort Gott, die Wissenschaft befasst sich eben nicht mit diesem Thema und es ist einer der häufigsten und grundlegendsten Fehler Wissenschaft als Konterargument zu Gott zu sehen. Vielmehr befassen sich diese zwei Medien nicht miteinander, es sei denn man betrachtet neurologische Geschichten, wie das hier:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Neurotheology


    Was sich aber präziser mit dem Phänomen unseres Glaubens an eine höhere Macht befasst, nicht der Frage nach der tatsächlichen Existenz dieser. Sprich, diese Dinge tangieren sich nicht und widerlegen sich erst recht nicht.

  • Wie Dinge funktionieren? Welche Gesetzmäßigkeiten dem zugrunde liegen? Ganz sicher nicht mit der philosophischen Frage "warum", alleine schon weil diese rekursiv endlos aufrufbar wäre.


    Natürlich beschäftigt sich die Wissenschaft mit philosophischen Fragen, etwa die Wissenschaft der Philosophie; wohl die älteste Wissenschaft. Zumal es traurig wäre, würde die Wissenschaft sich nicht mit Weltanschauungsfragen beschäftigen, weil diese nun eben auch Fragen sind die Menschen seit jeher umtreiben, und auf deren Beantwortung die Wissenschaft wohl ihren Teil leisten kann. Die Frage "Warum?" ist eine legitime Frage, vor allem eine sehr naheliegende, die nach Sinn fragt - Sinn ist, wie Funktion, Nutzen, etc. genauso eine Kategorie mit der sich Wissenschaft beantwortet. Das tut die Philosophie, das tun aber auch diverse andere Wissenschaft die etwa der Frage nachspüren warum Menschen z.B. überhaupt so etwas wie Sinnhaftigkeit im Leben sehen wollen und derartiges.


    Wissenschaft ist, wenn ich bei der Definition bleibe, eine Methode die Wissen schafft. Und die Frage nach dem "Warum?" ist nicht anders als die Frage nach dem "Wie?". Eine Frage, deren Beantwortung ich persönlich keinen Metaphysikern, Religiösen und Co alleine überlassen möchte, sondern wo auch Wissenschaftler sich positioneren können, weil es eben lebensrelevante Fragen sind die sich geradezu aufdrängen.


    Natürlich beschäftigt sich die Wissenschaft mit Gott. Das tut die Religionswissenschaft - nicht zu verwechseln mit der Theologie - das tut die Anthropologie, die Philosophie, die Psychologie, die Soziologie und Co: da Gott ein Konzept ist, das Bestandteil unseres Lebens ist, wäre es geradezu dämlich es als Objekt wissenschaftlicher Forschung auszuklammern. Die Erkenntnishtheorie beschäftigt sich etwa mit der Frage was der Mensch wissen kann, und die Frage, inwiefern man vernünftige Aussagen über Übernatürliches machen kann - z.B. Gott - fällt da selbstverständlich in das Aufgabenfeld der Wissenschaft.


    In der Erkenntnistheorie spricht man von der Genese der Erkenntnis; d.h. die Frage wie Erkenntnis gewonnen werden kann. Durch Sinne? Durch den Verstand? Und so weiter. Zudem beschäftigt sie sich aber auch mit der Frage nach der Geltung; d.h. der Frage unter welchen Voraussetzungen eine Erkenntnis wahr oder unwahr ist. Das kann man problemlos auf der Frage nach Gott übertragen. Die Religionsphilosophie beschäftigt sich zudem sogar dezidiert mit der Frage inwiefern religiöser Glaube argumentativ begründbar ist und, wenn er dies nicht ist, welche Konsequenzen daraus zu schließen seien.



    Es ist eine Welt in der Wissenschaft und Religion existieren, sodass ich nicht sehe, warum die Wissenschaft nicht auch die Religion und ihre Aussagen kritisch überprüfen sollte. Das tut sie nämlich.

  • Fein, empirische Wissenschaften, wenn dir das lieber ist. Und auch hier lege ich dir bezüglich der Trennung den Begriff "Neurotheology" nahe.


    Es geht nicht um meine persönlichen Vorlieben, sondern lediglich darum, dass Wissenschaft nicht per se empirisch arbeitet und es Wissenschaftsdisziplinen gibt welche Gottesbehauptungen durchaus vor dem Hintergrund der Geltung behandeln. Der empirische Ansatz ist ein wissenschaftlicher Zugang unter anderen. Dass etwa die Naturwissenschaften die Frage auf Gott nicht behandeln stimmt wohl; Naturwissenschaftler, muss man dazu sagen, beschäftigen sich hingegen schon mit der Frage und verweisen dabei sogar tatsächlich auch auf Erkenntnisse etwa der Naturwissenschaft. Wie sinnvoll das ist sei mal dahingestellt, aber die starre Trennung zwischen Wissenschaft und Religion, die angenommen wird, sehe ich nicht. Es ist schließlich eine Welt in der beide Spähren existieren, sodass eine Trennung, wenn überhaupt, bloß idealistisch gedacht werden kann; praktisch wird und gibt es Überschneidungen zwischen beiden Spähren, sodass es vernünftig erscheint, dass die Wissenschaft nicht auf diesem Auge blind ist sondern religiöse Behauptungen, sowie jede andere Behauptung auch, mit wissenschaftlicher Methodik prüft.


    Insofern ist die Neurotheologie, ich nehme mal den deutschen Begriff, ein Zugang zu dem Thema Spiritulität und Glaube. Da gibt es noch viele weitere. Die tragen alle ihren Teil, oder auch nicht, zur Formulierung einer Position bei. Welchen Zugang man vorzieht muss man wohl selber wissen; aber Wissenschaft unbewusst mit primär empirischen arbeitenden Wissenschaften gleichzusetzen - najo! Grundlage einer jeden Wissenschaft ist zuerst einmal die Theorie, welche z.B. überhaupt erst einmal den Gegenstand der Betrachtung konzeptionell fassen muss, ehe sie sich ggf. empirisch mit ihm beschäftigen kann. Insofern finde ich den Begriff empirische Wissenschaft unsinnig, weil keine Wissenschaft per se empirisch ist; die Empirie ist lediglich eine Methodik. Klingt in meinen Ohren eher zumeist wie eine Polemik oder Geringschätzung aller nicht-empirisch arbeitenden Disziplinen, aber das mag auch nur mein Eindruck sein. :p



    Von einem empirischen Zugang könnte man allerdings in Hinblick auf Gottesbehauptungen antworten, dass es blödsinnig ist die reale Existenz von etwas zu behaupten, dass per se nicht sinnlich, d.h. empirisch, fassbar ist. Empiristen könnten so argumentieren, quasi alâ "Proof or it didn't happen". Ich sehe Wissenschaft durchaus als Gegenposition zum Glauben; was nicht haltbar ist, kommt weg. Diverse Religiöse Behauptungen scheinen mir qua ihres metaphysischen Charakters nicht haltbar zu sein, und trodzdem halten sie sich. Da diese Behauptungen zudem allerdings auch Implikationen für die physische Welt haben, z.B. Behauptungen des Kreationismus, welcher eine Schlussfolgerung aus religiösen Abwägungen ist, tangiert selbst die empirische Wissenschaft durchaus, etwa im dem altbackenen Konflikt zwischen Kreationismus und Evolutionstheorie.

  • Der Witz dabei bleibt nur, dass diese Wissenschaften überhaupt keine konkreten Antworten liefern.


    Nichts für ungut, aber blahblah-Wissenschaften, wie Philosophie sind zwar durchaus wichtig, aber erlauben leider zu vielen Leuten absoluten Mist zu babbeln und sich dabei auch noch im Recht zu fühlen.


    Quote

    "Proof or it didn't happen"


    Ist genauso sinnig wie, "Lack of disproof means it did happen". Und das lässt schließen, dass man keine Aussage treffen kann und daher die Metapher "blahblah-Wissenschaften".


    Würde mich auch interessieren mit welcher wissenschaftlichen Methodik sich die Behauptung es gäbe den Himmel prüfen lässt. Ich mein' man schaue sich das an:
    http://www.philosophie.hu-berl…ader.pdf/at_download/file
    Das ist ein Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten in einem Philosophiestudium. Und wenn man den so liest stellt man fest, dass es egal was man macht kein richtig oder falsch, wie bei empirischen Wissenschaften gibt, sondern einfach irgendeine beliebige Interpretation. Ergo, Spaghettimonster.


    Neurotheology ist wie gesagt ein guter Begriff bzgl. der Trennung. Empirische arbeiten eher damit, denn sie wollen wissen woher religiöse Erfahrungen im Menschen kommen und wie sie auf neuraler Ebene funktionieren. Das ist überprüfbar, das ist messbar und darstellbar. Natürlich, je weniger präzise man sich auskennt desto eher fehlerhaft kann das Ergebnis sein, denn Daten muss man intepretieren, was ein Problem sein kann, wenn man einen Aspekt nicht kennt. Aber deswegen forschen wir ja.
    Nicht empirische aber stellen sich Fragen und beantworten diese. Da kann zwar durchaus Methodik dahinter sein, beruht aber oft auf Dogmen und diese sind u.U. wiederum nichts weiter als basierend auf Fiktion.. ich will keinem auf den Schlips treten, denn ich habe auch in der Schule in Ethik gerne rumphilosophiert ohne Ende und dementsprechend immer meine 1, aber letztendlich ist es ergebnislos, egal welche Erkenntnis man daraus hat, sie ist nur eine Idee. Was allerdings nicht heißen soll, dass man sich zu den Themen nie Gedanken machen sollte.

  • Klingt in meinen Ohren eher zumeist wie eine Polemik oder Geringschätzung aller nicht-empirisch arbeitenden Disziplinen, aber das mag auch nur mein Eindruck sein. :p


    Meistens geht's ja bloss um das. Wenn dann noch gewisse Bemerkungen ("blahblah-Wissenschaften") mitschwingen, ist das Thema bei mir jeweils eh gegessen.*


    Nichts für ungut, aber empirische Wissenschaften, wie Physik sind zwar durchaus wichtig, aber erlauben leider zu vielen Leuten genauso viel Mist wie Andere zu babbeln, zu produzieren und sich dabei auch noch im Recht zu fühlen, denn moralische Kriterien spielen ja bei der guten Empirie keinerlei Rolle. Hauptsache der Batzen stimmt und man muss keinerlei Verantwortung für sein Handeln zum Wohle der Wissenschaft übernehmen.
    (Hachja, der gute Dürrenmatt...)


    Nein, damit kommt man nicht wirkl. weiter.


    Bei jeder intensiveren Auseinandersetzung (und damit auch einer ernsthafteren, die nicht nur auf Diskreditierung hinauslaufen soll) mit dieser Problematik wird leicht ersichtlich, dass die Grenzen zwischen empirischen und nicht-empirischen Wissenschaftsdisziplinen fliessender sind, als womöglich geahnt.


    *€: Da fällt mir auf, dass ich schon länger nichts mehr von einem anderen User gelesen habe, der jeweils auch ein eifriger Verfechter der empirischen Wissenschaften jeweils war. Bei dem war auch immer alles Andere einfach "blahblah". :D

    "Life is not an easy matter... You cannot live through it without falling into frustration and cynicism unless you have before you a great idea which raises you above personal misery, above weakness, above all kinds of perfidy and baseness." - Leo Trotzki

  • Ja, ich bin ein Polemiker, harter emp.-Wissenschaften-als-Gegenargument-zum-Glauben-Verfechter und diskreditiere eure armen Studiengänge. :rolleyes:


    "Mist" produzieren kann mit den empirischen jeder, die Physiker sind nicht ganz so eine hart exotische Lektüre, aber Mist babbeln - nö... nööö, nö. Der empirische Babbelmist ist eben überprüfbar, denn es gibt korrekt und inkorrekt, easy as that.


    Übrigens war der eigentliche Kern von dem brillianten Wortdomino der letzten Beiträge, dass vor allem Naturwissenschaft ganz sicher keine Alternative zum Glauben darstellt, sondern sich einfach nicht mit dieser Frage beschäftigt. Im Volke wird aber teils argumentiert, als sei "Wissenschaft" eine Art Glaube, darauf wollte ich hinaus.

  • Im Volke wird aber teils argumentiert, als sei "Wissenschaft" eine Art Glaube, darauf wollte ich hinaus.


    Diese Deifikation von Wissenschaft zu einem neuen Götzen für die Massen, betrachte ich sowieso mit Sorge. Und die Wissenschaft tut/täte gut daran, sich davon zu distanzieren, denn, da stimme ich mit dir überein, die Wissenschaft gibt in aller Regel nicht die "gleichen" Antworten wie der Glaube (Ausnahme ist hier wohl wirkl. die Philosophie). Damit ist jetzt nicht gemeint, dass es beispielsweise die Evolutionstheorie vs. Kreationismus gibt, sondern dass Glauben eben oftmals mit einem moralischen Impetus verbunden ist. Was ist (moralisch) richtig, was ist falsch? Eine wissenschaftliche Disziplin (egal mit welcher Herangehensweise, ob empirisch, hermeneutisch, was auch immer) sollte so eine Frage bewusst nicht wertend beantworten. Eine stärkere Rolle der von dir angesprochenen Ethik wäre hierbei mMn wünschenswert, wird sie doch von vielen mittlerweile als "Glaubensersatz" wahrgenommen. An Brandherden, bei der sich die Ethik austoben könnte, mangelts ja nun wahrlich nicht, man müsste ihr halt (Achtung, Medienkritik) etwas mehr Platz einräumen. Viele winken jedoch leider auch schon ab, wenn sie den Begriff nur hören, weil sie schon den Zeigefinger des Moralapostels vor sich haben ... dabei würds vielleicht einfach nur mal zum (intensiveren) Nachdenken anregen. :coffee:

    "Life is not an easy matter... You cannot live through it without falling into frustration and cynicism unless you have before you a great idea which raises you above personal misery, above weakness, above all kinds of perfidy and baseness." - Leo Trotzki